Wohnmobil Verschiffung nach Israel

Wohnmobil Verschiffung nach Israel

Mit dem eigenen Camper in den Nahen Osten

Möchte man mit dem eigenen Wohnmobil, Campervan oder Expeditionsmobil Israel und den nahen Osten bereisen, gibt es neben dem langwierigen Landweg auch die Möglichkeit einer Verschiffung.

Leider ist dies nur wenig dokumentiert und nach der Internetrecherche bleibt man mit einigen Fragen zurück. Wir haben unser Wohnmobil im Oktober 2022 von Griechenland nach Israel verschifft und möchten unsere Erfahrungen mit euch teilen, auch was wir heute anders machen würden.

 

Warum Israel und Palästina?

Viele Reisende, die den Nahen und Mittleren Osten bereisen, lassen Israel aus. Dabei war die Durchquerung dieses Landes mit dem eigenen Wohnmobil eines der intensivsten Erlebnisse unserer gesamten Reise.

So ist Israel und Palästina meiner Meinung nach ein super Start für eine eventuell größere Rundreise durch die arabische Welt oder man reist ausschließlich durch Israel und Jordanien.

Das Land komprimiert auf kleinstem Raum, der größe von Hessen, eine wunderschöne Natur mit 4 Klimazonen! Von den Bergen bis zur Wüste hat fast jeder Ort eine große historische Bedeutung. Man bekommt ein ganz anderes Verständnis für die Konflikte und Spannungen in der Region, wenn man sich selbst einen Eindruck verschafft hat.

 

Die Planung – Von Deutschland nach Israel mit dem Auto

Bei unseren Recherchen sind wir auf die Möglichkeit gestoßen, Fahrzeuge per Roll-on-Roll-off (RoRo) von Athen oder Thessaloniki nach Haifa Israel zu verschiffen. RoRo Verschiffungen sind keine Fähren, d.h. man kann nicht als Passagier an Bord gehen, sondern reist selbst per Flugzeug zum Zielort. Eine gute Möglichkeit also um von Deutschland nach Israel mit dem Auto zu kommen.

Die Reisedauer beträgt in der Regel 4 Tage. Wir hatten mit dem Anbieter Salamis Shipping ca. 2 Wochen im Voraus Kontakt aufgenommen, wenn es schnell gehen muss und Plätze frei sind, kann die Verschiffung auch mit 1 Woche Vorlauf gebucht werden.

Nachdem mir Nikolaos Pippas von Salamis Shipping die möglichen Termine und Preise genannt hatte und ich unseren Wunschtermin bestätigt hatte, verlief der weitere Prozess erstaunlich inoffiziell. Es dauerte ein paar Tage und einige Mails an das Sales Departmet, bis ich ein paar Formulare zum Ausfüllen bekam.

Leider gestaltete sich der Emailkontakt etwas zäh und meine Fragen wurden oft nur unvollständig beantwortet. Diese Erfahrung haben auch andere Reisende gemacht. Deshalb versuche ich hier einige Dinge zu klären:

Tipp

    • Reedreei/ Agent Griechenland:  Salamis Shipping S.A. Piraeus Nikolaos Pippas n.pippas@salamis-hellas.gr, www.Salamisinternational.com
    • Agent Haifa: Rosenfeld Shipping Ltd. Rasheed Mashal rasheedm@rosenfeld.net https://www.rosenfeld.net/ . (Adresse)
    • Dauer 4-5 Tage in unserem Fall Abgabe Freitag früh in Thessaloniki Hafen Gate 16 (Adresse) , Abholung Haifa Mittwoch Vormittag.
    • Flug nur möglich nach Tel Aviv Ben Gurion Airport von dort am besten mit dem Zug (nur Sonntag-Donnerstag) oder mit dem Sammeltaxi (Sherut) nach Haifa.
    • Dauer für die Abholung im Hafen ca. 5-6 Stunden.
    • Kosten für unser Wohnmobil (LxBxH 5,6m x 2,2m x 3,3m, Gewicht 3,3 t) 2.100€. Davon Verschiffungsgebühren 1.100€, Hafengebühren + Steuern Israel 1000€
    • Zahlung vollständig bei Rosenfeld in Haifa vor der Abholung in Cash oder Kreditkarte. Wir konnten sogar in Euro bezahlen.
    • KFZ Versicherung kann in Haifa abgeschlossen werden bei der Versicherungsgesellschaft Pool. Kosten ca. 80€ für 4 Wochen. Sollte man eine Internationale Versicherung haben zB. Über Jahr+Partner kann man versuchen dass diese im Hafen anerkannt wird. Achtung die Adresse im Internet ( Natanzon Street 28 Haifa ) ist nicht korrekt. Hier befindet sich die Filiale der Pool Insurance: (Adresse) . Achtung: Bevor man die Versicherung abschließen kann wird der sog. Gate Pass benötigt, den man erst bei Bezahlung der Gebühren von Rosenfeld Shipping erhält.
    • Beste Unterkunft in Haifa für die Wartezeit ist in Sachen Lage und Preis-Leistung Jenis Guesthouse (Adresse). Die Betreiber sind super zuvorkommend, es ist sauber, frisch renoviert und verfügt über eine Dachterasse mit Top Aussicht.

 

 

Abgabe am Hafen Thessaloniki

Am Freitagmorgen trafen wir uns am Gate 16 des Hafens von Thessaloniki und kontaktierten einen Mitarbeiter von Salamis, dessen Nummer wir vorher bekommen hatten. Am Gate muss man seine Papiere vorzeigen, es war viel Verkehr auch durch LKWs, so dauerte es 1 Stunde bis wir im Hafen waren.

Dort angekommen ging alles sehr schnell, ein freundlicher Hafenmitarbeiter nahm unsere Schlüssel und Fahrzeugpapiere und fuhr uns zum Ausgang, wo wir mit unseren Pässen aus dem Hafen auscheckten. Achtung, man bekommt keine schriftliche Bestätigung.

 

Tipps

Den Fahrzeugschein in eine große Hülle oder Mappe stecken und einen Anhänger an den Schlüssel hängen, damit er nicht so leicht verloren geht. Wir haben von anderen Reisenden gehört, dass der Fahrzeugschein verloren gegangen ist. Oder man probiert aus, ob eine Kopie akzeptiert wird.

 

Selbst ein kleines Dokument auf Englisch schreiben, dass das Fahrzeug übergeben wurde, mit Uhrzeit und Datum, Name und Telefonnummer des Hafenmitarbeiters, der es in Empfang genommen hat und von ihm unterschreiben lassen. Wir standen ohne Dokument da und ich wusste auch nicht, wer meinen Schlüssel bekommen hat, ein komisches Gefühl.

Unser Wohnmobil "Wanda" bei der Ausschiffung in Thessaloniki

Der Flug nach Tel Aviv

Ich hatte im Vorfeld alle Flüge ab Thessaloniki geprüft und die günstigste Möglichkeit war Freitagmittag. Das setzt natürlich voraus, dass man das Fahrzeug am Freitag ab 8 Uhr morgens abgibt, um genügend Zeit und Puffer zu haben.

Nach der Abgabe sind wir mit dem Taxi zum Flughafen gefahren, was erstaunlich günstig war. Der Flug und die Ankunft in Tel Aviv verliefen überraschend stressfrei und unbürokratisch.

Meine Erwartung für die Einreise war eine ausführliche Pass- und Personenkontrolle, vielleicht sogar ein Verhör und viel bewaffnetes Sicherheitspersonal.

Weit gefehlt, die Pässe wurden einfach selbst in die Self Service Scanner gesteckt und das 3 Monats Visum wurde automatisch ausgedruckt. Nur mit den Kinderpässen mussten wir an einen Schalter, da diese nicht elektronisch lesbar sind, dort sorgte unser Nachname kurz für Verwunderung, was nicht das letzte Mal gewesen sein sollte ;-).

Da wir noch vorhatten arabische Länder zu bereisen, achteten wir darauf keine Stempel in den Pass zu bekommen, was aber kein Problem ist, da man das Visum als extra Beiblatt bekommt. Auf dieses sollte man gut aufpassen, da man es bei der Ausreise wieder braucht. Am besten macht man gleich ein Foto davon.

 

Shabbat Shalom

Beim Verlassen des Flughafens und auf der Suche nach einem Sammeltaxi, auch Sherut genannt, wurde mir schnell klar, warum der Flug so günstig war. Es war inzwischen Freitagabend und das bedeutet – Shabbat!

Der Shabbat in Israel dauert von Freitagmittag bis Samstagabend und ist in keiner Weise mit dem Sonntag in Deutschland oder dem Freitag in muslimischen Ländern vergleichbar. Das gesamte öffentliche Leben scheint still zu stehen. Viele Restaurants, öffentliche Verkehrsmittel, Geschäfte, selbst am Flughafen sind geschlossen.

Zwischen den Städten verkehren nur Sammel- und Einzeltaxis. So war es auch nicht möglich, eine Sim-Karte für mobiles Internet zu kaufen.

Generell hatten wir den Zeitpunkt unserer Ankunft nicht nur wegen des Shabbat schlecht gewählt. Wie wir nach unserer Ankunft feststellten, begann direkt nach dem Shabbat das Laubhüttenfest oder hebräisch Sukkot. Ein Fest, das ganze 7 Tage dauert! und aus verschiedenen Feiertagen mit unterschiedlicher Bedeutung besteht.

So war eigentlich jeden Tag ein anderes Geschäft geschlossen und wir hatten keinen Überblick, auch der Kontakt zu Rosenfeld Shipping war nicht möglich, da diese ebenfalls geschlossen hatten.

 

Sightseeing in Haifa?

Eigentlich hätten wir unser Wohnmobil am Dienstagmorgen abholen können, aber als ich am Dienstag anrief, erfuhr ich, dass sich die Löschung der Schiffsladung aufgrund der Feiertage verzögert und ich das Fahrzeug erst am nächsten Tag, also am Mittwoch, abholen kann. Eine solche Verzögerung ist nicht ungewöhnlich und sollte auch bei der Unterkunft eingeplant werden.

So trieben wir uns noch einen Tag in Haifa herum, um dann am letzten Tag herauszufinden, wie man die Bustickets richtig kauft, was nur mit einer App, die in ganz Israel gültig ist, oder mit speziellen Karten funktioniert. Bei der vorherigen Planung dachten wir, dass wir die Wartezeit auf das Wohnmobil mit Sightseeing in Haifa verbringen könnten, leider mussten wir feststellen, dass Haifa eine typische Hafenstadt ohne viel Charme und Sehenswürdigkeiten ist und an vielen Stellen sehr dreckig und heruntergekommen.

Interessant waren das arabische Viertel, der Blick auf die Bahai-Gärten, die deutsche Kolonie, die auf die Templer zurückgeht, sowie einige Strände außerhalb der Stadt. Vor allem mit Kindern ist Haifa nicht zu empfehlen.

Der Bahai Schrein und dessen Gärten in Haifa

Blick vom Viewpoint über den Schrein und den Hafen

Unsere Buch Empfehlungen:

Wir lieben die Reisebücher von Andreas Altmann und seine unverblümte Art zu schreiben. In diesem Buch beleuchtet er die Situation der Palästinenser, die er hautnah miterlebt hat.

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Tipp:

Wenn ich die Verschiffung noch einmal planen würde, würde ich mir eine Unterkunft in Tel Aviv mieten, da man ja sowieso dort landet, dann stört auch der Shababt nicht. Dann kann man sich ein paar Tage diese Metropole anschauen und am Tag der Abholung oder einen Tag vorher mit dem Zug nach Haifa fahren. So kann man die Wartezeit besser nutzen.

Aber ich nutzte die Zeit, um den Transport zu bezahlen und den „Gate Pass“ zu bekommen. Damit bin ich dann zur Pool Insurance (Adresse) gegangen. Deren genaue Adresse habe ich erst nach langem Herumfragen in der Stadt herausgefunden, auch die Mitarbeiter in Rosenfeld konnten mir die Adresse nicht nennen, obwohl dort ständig Leute hin müssen.

Der Vorgang bei der Versicherung war nach ca. 1 Stunde abgeschlossen und hat mich 80 Euro für 4 Wochen gekostet. Ich habe von wesentlich höheren Versicherungskosten gehört, wenn man über die Landesgrenze nach Israel einreist.

 

Die Abholung

Am folgenden Mittwochmorgen war ich schon früh im Büro von Rosenfeld und bekam einen Agenten namens Elai zugeteilt, der mit mir alle Formalitäten im Hafen erledigte. Und damit meine ich wirklich alle! Denn schon bei der Einfahrt in den Hafen gab es Probleme mit dem Sicherheitspersonal, die Elai zu lösen wusste. Er meinte nur: „Solange du mich an deiner Seite hast, gibt es keine Probleme“.

Denn eines haben wir gelernt, die Israelis sind Spitzenreiter darin, einfache Abläufe kompliziert zu machen. Dazu später mehr. Es folgte der Sicherheitscheck des Wohnmobils. Zum Glück musste ich nichts ausräumen und die Beamten waren mehr am Fahrzeug als am Inhalt interessiert. Die ganze Prozedur dauerte am Ende trotzdem ca. 5 Stunden.

Alter Schwede

Außer mir war noch ein älterer Schwede mit Holyrider-Lederjacke namens Jonni dabei, der sein Motorrad abholen wollte. Jonni war 63 Jahre alt und lebte seit 6 Jahren in Jerusalem, er arbeitet für ein theologisches Institut und kennt Land und Leute sehr gut. So konnte er mir viele Tipps geben.

Da man in Israel nur Fahrzeuge importieren darf, die nicht älter als 3 Jahre sind, Jonnis BMW aber schon älter ist, verschifft er sein Motorrad jedes Jahr im heißen Sommer nach Europa, tourt durch die Länder, besucht Familie und Freunde und verschifft es wieder zurück.

Jonni hat mir einen Satz mit auf den Weg gegeben, den ich erst später richtig verstanden habe. Er meinte: „Israeli people are very rude, but never take it personally“, zu Deutsch “Israelis können sehr unhöflich sein, aber nimm es nie persönlich“.

Tatsächlich machten wir oft die Erfahrung, dass es im Umgang miteinander manchmal sehr ruppig zuging, aber wie Jonni mir geraten hatte, nahm ich es einfach nicht persönlich.

Glücklich nach 5 Stunden mit unzähligen Stempeln

Zum Schluss

Normalerweise muss man nach der Abholung des Wohnmobils erst einmal einkaufen gehen. Das größte Angebot und die besten Preise hat unserer Meinung nach die Supermarktkette Shufersal.

 

Tipps:

  • Einkaufen in der Supermarktkette Shufersal
  • Sucht man einen Stellplatz am Meer für die ersten Tage zum ankommen empfehlen wir den Rosh Hanikra an der Grenze zum Libanon. Dort ist nicht so viel Trubel wie weiter südlich und man kann toll baden.
  • Tanken: Wie bereits erwähnt, machen die Israelis einfache Dinge kompliziert. In Israel kann man nur tanken, wenn man sein israelisches Nummernschild, das nur aus Zahlen besteht, und manchmal auch seine persönliche Identifikationsnummer in den Automaten an der Zapfsäule eingibt, der oft nur auf Hebräisch ist. Beides haben wir nicht. Dann hilft es nur, das Tankstellenpersonal zu nerven, und selbst dann bekam ich oft nur 20 Liter Diesel.

 

Und jetzt wünsche ich euch eine gute Planung, Überfahrt und viel Spaß in diesem spannenden Reiseland.

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